Aktuelles Projekt "Die Ichneumoniden Schleswig-Holsteins und Hamburgs"

Das Projekt "Die Ichneumoniden Schleswig-Holsteins und Hamburgs" setzt sich zum Ziel, eine faunistische Datengrundlage für die Schlupfwespen (Hymenoptera: Ichneumonidae) der beiden norddeutschen Länder zu schaffen. Es werden vorrangig Sammlungsbestände gesichtet und digitalisiert, Literaturdaten ausgewertet sowie unbearbeitetes Material präpariert und bestimmt. Die Ichneumoniden bilden mit etwa 3.500 Arten die größte Tierfamilie Deutschlands, gleichzeitig ist es aber eine der am wenigsten bearbeiteten Insektengruppen.

Ziele des Vorhabens sind:

  • das Generieren von Verbreitungskarten ausgewählter Arten
  • das Erstellen einer Checkliste vorkommender Schlupfwespen, soweit der taxonomische Bearbeitungsstand der Unterfamilien dies zulässt
  • das Schaffen einer Datengrundlage, um tiefergehende faunistische und ökologische Untersuchungen zu ermöglichen

Wir danken Bingo! - Die Umweltlotterie für die finanzielle Unterstützung.


Citizen Science – her mit den Schlupfwespen!

Alle Naturinteressierten sind dazu aufgerufen, in Schleswig-Holstein aufgenommene Fotos von Schlupfwespen einzusenden. Diese werden ausgewertet und die Absender über das Ergebnis benachrichtigt. Viele Schlupfwespen sind am Foto höchstens bis zur Gattung bestimmbar, bei vielen (über 150 Arten) geht es aber auch bis zur Art.

Fotos (mit Angabe von Fundort und -datum – dies kann auch weit zurückliegen!) können eingesendet werden an schlupfwespen@foeag.de Hilfreich, aber keine Voraussetzung ist, wenn Tiere aus verschiedenen Perspektiven fotografiert sind (von der Seite, von oben, von vorn), da oft bestimmte Details gesichtet werden müssen. Bei sehr wenigen Arten reicht selbst ein unscharfes Bild zur Bestimmung – generell gilt aber: je schärfer, desto besser!

Alle verwendbaren Daten gehen dann in die Datenbank der Schlupfwespen Schleswig-Holsteins ein und können somit für Verbreitungskarten und weitere Untersuchungen genutzt werden. Damit wird ein wertvoller Beitrag zur Kenntnis der heimischen Ichneumoniden geleistet! Gleichzeitig wird dabei untersucht, inwiefern sich Citizen Science auch für die Erfassung so schwieriger Gruppen wie Schlupfwespen eignet. Eine Veröffentlichung oder Weitergabe der Fotos erfolgt nicht.

Wer sich nicht sicher ist, ob eine Schlupfwespe oder ein anderes Insekt fotografiert wurde: Im Zweifelsfall einfach einsenden! Die nebenstehende Erkennungshilfe ist vor allem für Laien gedacht und stark vereinfacht - die ähnlichen Brackwespen (abgegrenzt von den meisten Schlupfwespen durch das Fehlen einer bestimmten Flügelader) werden hier nicht abgegrenzt, allerdings werden diese aufgrund ihrer durchschnittlich geringeren Größe und Auffälligkeit auch sehr viel seltener fotografiert.

Alternativ zum Einsenden per Mail können die Fotos auch bei naturgucker.de eingestellt werden – hier wird eine einmalige Auswertung aller Schlupfwespenfotos aus Schleswig-Holstein Anfang 2021 erfolgen. Damit die Meldung unter dem Suchkriterium „Schlupfwespen“ gefunden werden kann, reicht es, wenn bei der Arteingabe „Ichneumonidae indet.“ ausgewählt wird.

Wozu das Ganze?

  • viele Arten haben eine sehr geringe Populationsdichte, sodass ihr Vorkommen oft nur durch Zufall bekannt wird. Dabei hilft das Mitwirken vieler Einzelpersonen!
  • Um etwas über Verbreitung und Lebensraumnutzung einzelner Arten zu erfahren, braucht es möglichst viele Nachweise aus möglichst vielen Ecken des Landes.
  • Für über 100 Arten liegt der letzte Nachweis über 50 Jahre zurück => Welche dieser Arten sind hier aufgrund von Lebensraumverlust und Rückgang ihrer Wirte tatsächlich ausgestorben und welche wurden seitdem nur einfach nicht registriert? 
  • Schleswig-Holstein wurde nie systematisch nach Schlupfwespen durchsucht. Überhaupt gab es nur umfangreichere, aber regional begrenzte Untersuchungen an der Nordseeküste (Horstmann, 1965-1970), in der Hahnheide (Heinrich, 1945-1951) und im 19. Jahrhundert um Eutin (Tischbein) und um Kiel (Boie), doch aus dieser Zeit gibt es kaum verlässliche Daten => Es können praktisch überall im Land Arten entdeckt werden, die bisher für Schleswig-Holstein noch nicht nachgewiesen sind.


Ansprechpartner der FÖAG